Studieren nach Auschwitz. Veranstaltungen im Sommersemester 2013

zK,

Die Initiative Studierender am IG Farben Campus freut sich alle Interessierten zu der Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2013 herzlich einzuladen. Hiermit möchten wir das Programm bekannt geben, welches in Kürze auch als Flyer erscheinen wird:

Vom schönsten zum häßlichsten Campus Deutschlands.
Ein kritischer Rundgang zu Geschichte, Architektur und dem Zusammenhang beider am Campus Westend und am Campus Bockenheim 

Der “Campus Westend” gewinnt mehr und mehr an Gestalt und die vollständige Aufgabe des Bockenheimer Campus ist absehbar. Damit hat sich die Universität nicht nur einen neuen Standort aufgebaut, der untrennbar mit der Geschichte der IG Farben und damit der Shoah verbunden bleibt, sondern verabschiedet sich als Institution auch von jeder Einsicht in die Dialektik der Aufklärung – jedenfalls aber vom Gedächtnis an das Scheitern von Universität und Bildung mit dem Nationalsozialismus. An der Architektur des neuen Campus lässt sich das Elend dieser Vergangenheitsbewältigung ablesen. In einem Rundgang über den Campus soll anschaulich werden, warum der “Palast des Geistes” (Präsident Steinberg) im Westend nichts anderes ist als das Phänomen einer umfassenden Rücknahme einer historischen Reflexion auf die Geschichte der Institution: Hier wurden alle Ansätze rückgängig gemacht, mit denen einmal eine reflexive Universität ermöglicht werden sollte.
25.4.2013, 16:00 Uhr / 11.5.2013, 14:oo Uhr / 4.6.2013, 14:oo Uhr
Treffpunkt ist jeweils der Haupteingang des IG-Farben-Hauses

Tag der (deutschen) Arbeit.
Der erste Mai und der Nationalsozialismus

„Ich werde keinen größeren Stolz in meinem Leben besitzen als den, am Ende meiner Tage sagen zu können: Ich habe dem Deutschen Reich den deutschen Arbeiter erkämpft.“ (Adolf Hitler im Völkischen Beobachter vom 12. Mai 1933)

Der 1. Mai ist nicht (allein) der Tag der linken Arbeiterbewegung. Die spezifisch deutsche Geschichte hat sich auch hier eingeschrieben. Der Tag der Arbeit ist in Deutschland immer auch der Tag der deutschen Arbeit. 1933 fiel auf dieses Datum der erste staatlich begangene „Tag der nationalen Arbeit“. Die Aufmerksamkeit der Nazis, die diesem Feiertag damit zu Teil wurde, ist nicht allein strategisch zu erklären. Es ging keineswegs nur darum, durch bloße Propaganda die Arbeiterschaft zu integrieren. Der positive Bezug auf den 1. Mai war ebenso Ausdruck eines Kerns nationalsozialistischer Ideologie, nämlich die deutsche Arbeit wieder zu Ehren zu bringen. Der 1. Mai war damit die performative Gründungszeremonie der vereinten Volksgemeinschaft. Wenn die NPD 2013 am Tag der Arbeit durch Frankfurt marschieren will, um ihn für eine reaktionäre Kritik an EU und Krise zu nutzen, ist das also keineswegs bloß als Aneignung eigentlich “linker” Tradition zu verstehen: Es ist auch Ausdruck einer Jahrzehnte währenden Tradition deutschen Arbeitskultes. Dem ideologischen Kern dieser Tradition soll in diesem Vortrag nachgespürt werden: Die Feierlichkeiten zum 1. Mai 1933 in Berlin und Frankfurt sollen dargestellt und die Rede Hitlers auf dem Tempelhofer Feld analysiert werden. Was bedeutet die Rede von deutscher Arbeit und welche Ausschlüsse werden dadurch produziert?
7.5.2013, 19:00 Uhr; IG-Farben-Haus, Raum 254

Zum deutschen Ungeist.
Nach achtzig Jahren eine Erinnerung an die Bücherverbrennungen

Am 10. Mai 1933 brannten in Deutschland die Scheiterhaufen für Bücher. Das Ereignis ist in der Ikonographie des Nationalsozialismus fest verankert, mindestens die spektakulär inszenierte zentrale Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz. Gemeinhin wird dies als Vorschein der kommenden Vernichtung von Menschen und als  deutliches  Zeichen für  die  Geistfeindschaft  der Nationalsozialisten gedeutet: Die Werke der verfemten Autorinnen und Autoren wurden eben nicht argumentativer Kritik, sondern der symbolstarken Vernichtung durch die Flammen übergeben. Es klafft aber eine Lücke in diesem Bild der Bücherverbrennung, wenn vergessen wird, wer die Bücher verbrannte – es waren Studierende. Diese Tatsache geht im Begriff der bloßen Geistfeindschaft nicht auf; die Bücherverbrennungen müssen vielmehr auch als ein einschneidendes Ereignis für die Eingliederung der deutschen Universitäten in den Nationalsozialismus begriffen werden.
Im Vortrag sollen am Beispiel von Frankfurt die Ereignisse vom 10. Mai 1933 dargestellt werden, um im Anschluss einige Hinweise zur nationalsozialistischen Geschichte der Goethe-Universität zu geben.
14.5.2013, 19:00 Uhr; IG-Farben-Haus, Raum 254

Immer wieder das Gleiche.
Noch einmal ein paar grundsätzliche Anmerkungen zur Geschichte des schönsten Campus Europas

Mit dem Umzug der Fachbereiche aus dem AfE-Turm ist nun der größte Teil der Goetheuniversität endgültig umgezogen. Damit befinden sich große Teile dieser Universität an einen Ort, der untrennbar mit der Geschichte der IG Farben und damit dem antisemitischen Massenmord der Shoah verbunden ist. Ausgerechnet hier, am angeblich schönsten Campus Europas, wurde der “Palast des Geistes” ausgerufen – eine Leistung, für die man gehörig die Geschichte auch der eigenen Institution verdrängen muss. Die Initiative Studierender am IG Farben-Campus stellt diese neue Universität zur Kritik und lädt ein zur umfassenden Revision ihrer Imagekampagne der letzten zehn Jahre.
5.6.2013, 19:00 Uhr; IG-Farben-Haus, Raum 454

http://initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com/